Unternehmen laufen Gefahr, gesetzeswidrige Umsatzsteuererklärungen abzugeben / Säumniszuschläge und Mehrkosten sind die Folge / Vor allem kleinere Unternehmen unterschätzen Umstellungsaufwand



Frankfurt am Main, 06. April 2004. Viele deutsche Unternehmen, die in Osteuropa tätig sind, sind noch nicht ausreichend auf die neuen Umsatzsteuerregelungen vorbereitet, die sich aus der Erweiterung der Europäischen Union ergeben. Wenn sie ihre Umsatzsteuersysteme nicht entsprechend den neuen Regelungen umstellen, müssen diese Unternehmen mit Säumniszuschlägen oder sogar Strafzahlungen rechnen. Darauf weist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hin.



"Unternehmen, die in den Beitrittsländern tätig sind, müssen die Zeit bis zum 01. Mai für die Umstellung ihrer internen Systeme nutzen, um sicherzustellen, dass zum Stichtag ihr Umgang mit dem Thema Umsatzsteuer den gesetzlichen Vorschriften entspricht", erklärt Matthias Roche, Partner bei Ernst & Young.



Mit dem EU-Beitritt ändert sich in den Beitrittsländern die Umsatzsteuergesetzgebung. Die jeweiligen nationalen Regelungen werden an die EU-Vorschriften angepasst. "In allen Beitrittsländern werden die Umsatzsteuerregelungen verändert – Unternehmen müssen jedes Land einzeln betrachten und die entsprechenden Neuregelungen berücksichtigen," erläutert Roche. So seien ab 1. Mai insgesamt 20 weitere Umsatzsteuersätze zu beachten.



Probleme vor allem für Mittelständler



Die Änderungen betreffen alle Unternehmen, die in irgendeiner Art in den Beitrittsländern tätig sind, also etwa deutsche Unternehmen, die entweder selbst oder über eine Tochtergesellschaft in den Beitrittsländern vertreten sind. Auch Unternehmen, die lediglich in Deutschland produzierte Waren in den Beitrittsländern verkaufen, müssen die neuen Regelungen berücksichtigen. "Die meisten deutschen Unternehmen unterhalten in irgendeiner Form Geschäftsbeziehungen zu den Beitrittsländern – die wenigsten aber bereiten ihre internen Systeme rechtzeitig auf die Änderungen der Steuervorschriften vor," stellt Roche fest.



Gerade kleinere Unternehmen, die nur sporadisch oder in geringem Umfang in den Beitrittsländern tätig sind, laufen Gefahr, die Notwendigkeit einer Anpassung zu übersehen. "Die Großunternehmen haben längst die notwendigen Vorkehrungen getroffen. Es sind vor allem Mittelständler, die die Umstellungsprobleme unterschätzen," so Roche. Umstellungsbedarf gebe es vor allem in der Buchhaltung, bei den EDV-Systemen und teilweise auch bei der Preiskalkulation – sofern an private Endverbraucher verkauft wird.



Hohe Strafen drohen



Vergleichbar zu Deutschland, wo die Finanzverwaltung in der jüngeren Vergangenheit eine schärfere Gangart bei fehlerhaften Umsatzsteuerabrechnungen eingeschlagen hat, zeigen die Finanzverwaltungen in den Beitrittsländern wenig Nachsicht bei falschen Umsatzsteuernachweisen. "Deutsche Unternehmen, die aus Nachlässigkeit Fehler bei der Berechnung der Umsatzsteuer machen, können bei den ausländischen Finanzverwaltungen nicht auf Verständnis hoffen," warnt Roche. "Oft sind hohe Strafen – in Prozent der entgangenen Steuern – und hohe Zinsen zu bezahlen, die deutlich über dem deutschen Niveau liegen."



Umstellungsprobleme in den Beitrittsländern



Auch bei den Finanzverwaltungen in den Beitrittsländern wird es aufgrund von Umstellungsproblemen zu Verzögerungen und Fehlern kommen. So müssen nicht nur die EDV-Systeme in den Behörden rechtzeitig umgestellt werden, die zuständigen Sachbearbeiter müssen auch im Umgang mit diesen neuen Vorschriften geschult werden. Deutsche Unternehmen sollten sich auf entsprechende Startschwierigkeiten einstellen, so Roche: "Die Unternehmen sollten doppelt vorsichtig sein: Zum einen müssen sie zum 1. Mai dieses Jahres ihre internen Systeme an die neuen Steuersätze anpassen, zum anderen sollten sie auch die Berechnungen und Bescheide der Finanzverwaltungen kritisch hinterfragen, um eventuelle Fehler zu ihrem Nachteil rechtzeitig zu entdecken."